SV Eintracht Windhagen
1921e.V.

Dublin 2006
Vier Jahre ist es her....
... (ES) als ich meinen letzten Marathon –in Frankfurt- gelaufen bin. Wohl Zeit genug um zu vergessen, dass ich nicht der geborene Langstreckenläufer bin und die bisher gelaufenen Marathons, immerhin fünf an der Zahl, letztendlich immer mit viel Quälerei, so wie ich es vom Fahrradfahren nicht unbedingt kenne, verbunden war. So, wie es bei unseren Mehrtagestouren ja auch nie geregnet hat, vergisst man wohl auch die Leiden des Marathon.
 Vor dem Abflug nach Dublin
Gerettet.
Wir haben die Startunterlagen.
 

Also frei von allen negativen Erinnerungen verdichten sich die anfangs vagen Gedanken zu einem festen Plan, dieses Jahr im Oktober 42,195 km durch die „Streets of Dublin“  zu laufen. Mit im Team: Ulrike, Christiane Hülder und Sabine Völker vom Lauftreff Windhagen sowie unser Coach Herbert Hülder mit Karoline.

Anfang September lasse ich die Tretkurbeln meines Rennrades in Ruhe und belaste fortan verstärkt meine Joggingschuhe. Bis zum Abflug am 28.10.2006 müssen die Laufsohlen ca.  400 km aushalten.

Nachdem wir bei meinem Schwager Winfried einquartiert haben müssen wir zuerst die Formalitäten erledigen und uns zum Marathon anmelden. In der Ausschreibung stand, dass dies bis zum letzten Tag möglich sein sollte. Bei der Anmeldestelle trifft uns dann aber der Hammer. Ein energisch drein schauender Security-Man verwehrt uns den Einlass. 11.000 angemeldete Läufer seien genug und für ein paar spät angereiste „German-People“ sei leider kein Platz mehr. Ausnahmen nicht möglich. Gut dass wir jetzt meine Schwägerin Marion dabei haben.

Ungeachtet der Aussage vom Security-Man kämpft sie sich Dank ihrer perfekten Englischkenntnisse bis zum Organisationsteam durch. Von diesem wird dann schnell signalisiert, dass für uns doch noch eine Ausnahme möglich ist. Schnell werden unsere Daten manuell in den Computer eingegeben und schon kurze Zeit später halten wir unsere Startunterlagen in den Händen. Nach dem anfänglichen Schock fühlen wir uns jetzt so, als hätten wir den Marathon schon gelaufen.

An dieser Stelle möchte ich mal hervorheben, wie freundlich die Iren sind. Obwohl wir bei der Anmeldung viel Arbeit machten und die Organisatoren einiges zu tun hatten, sahen wir nur lächelnde Gesichter und wurden mit absoluter Höflichkeit behandelt. Aber auch sonst fiel die Freundlichkeit der Iren immer wieder auf.

   

See bei Glendalough

Keltischer Friedhof mit Rundturm 

Am nächsten Tag unternehmen wir einen Ausflug in den „Grünen Garten Irlands“, nach Wicklow. Die welligen, grünen Hügel sowie die engen Täler mit glasklaren Seen und Wasserfällen faszinieren uns genauso wie der aus dem siebten Jahrhundert stammende keltische Friedhof , auf dem alte keltische Kreuze sowie einer der berühmten Rundtürme zu besichtigen sind.

Am anderen Tag ist es dann soweit. Um 9.00 Uhr ist in der City, neben dem Trinity College, der Start des Marathons, einer der ältesten Cityläufe der Welt. Nach stürmischer und regnerischer Nacht, strahlt uns ein blauer Himmel entgegen und lässt das Läuferherz höher schlagen. Von den 11.000 Läufern kommen ca. nur die Hälfte vom Festland. Schon um 9.03 Uhr laufen wir über die Startlinie –bei anderen Marathons dauert das schon mal 15 bis 20 Minuten- und im großen Bogen umlaufen wir das Trinity College. Nach Überqueren der O`Connel Bridge lassen wir die Innenstadt schon hinter uns und durchlaufen nun die Wohnviertel von Dublin. Ungewohnt sind die Meilenangaben, 26 sind zu bewältigen. Nur alle 5 km wird auch die gewohnte KM-Zahl angezeigt. Feuerten uns in der Innenstadt noch viele Fans an, wird es jetzt doch wesentlich ruhiger. Nur ab und zu, meist an Kreuzungen, stehen größere Menschengruppen die uns mit Beifall und ermunternden Aufrufen, weiter anspornen. Schnell merken wir, dass es kein einfacher Marathon wird. Wie in der Ausschreibung hingewiesen, ist das Streckenprofil leicht wellig. Je mehr Meilen wir zurücklegen, umso mehr wird aus dem leicht wellig, ein anstrengender steiler Anstieg. Nach Meile 6 verlassen wir für ein paar Kilometer den Wohnbereich und laufen durch den Phoenix Park.

   
Unmittelbar vor dem Start   Fluss Liffey

Nach Überqueren des Flusses Liffey haben uns die im Vergleich zur City wenig spektakulären Vororte von Dublin wieder. Trotzdem genießen wir die andersartige Architektur mit den backsteingemauerten Wohnhäusern. Blickpunkte und Wahrzeichen der Stadt sind die vielen bunten Türen, die sich vom schlichten Backstein deutlich abheben. Die vielen blumengeschmückten Pubs sind ein weiterer Blickpunkt aber auch Versuchung, lieber ein Guiness zu trinken, anstatt weiter zu joggen. Ab etwa Meile 20 werden meine Beine schwer und die Kondition lässt merklich nach. Der Wind wird stetig stärker und macht den Lauf nicht einfacher. Die „Streets of Dublin“ mit den zuvor beschriebenen Blickpunkten werden nur noch verschwommen wahr genommen.

Der Kampf mit dem inneren Schweinehund hat also begonnen. Ulrike ist noch an meiner Seite geblieben. Christiane und Sabine sind schon lange, bei der ersten „Pinkelpause“, vorbeigezogen. Psychologische Tricks helfen auch nur noch bedingt –die Hälfte hast du schon geschafft; nur noch eine große Trainingsrunde; was sind denn noch 10 km; heute Abend sitzt du im Pub und trinkst Guiness. Letztendlich schaffe ich es nur deshalb weiter zu laufen, weil mir der Verstand sagt, dass dann die Quälerei schneller ein Ende hat. Wie schön wäre jetzt doch Rennradfahren , wo man sich im Windschatten oder Bergabfahren  ab und zu mal erholen kann. Man hat das Gefühl nie mehr anzukommen. Die eh schon kurzen Schritte werden immer langsamer. Plötzlich werden die Häuserfassaden wieder höher und es macht Mut, den Stadtkern wieder erreicht zu haben.

   

Bis zum Ziel muss aber noch die Schleife um das Trinity College bewältigt werden. Sie ist jetzt 10 mal so lang wie beim Start. Die Menschenmassen werden immer dichter. Weit kann es jetzt wirklich nicht mehr sein. Und dann, nachdem man im Stadtkern schon mehrmals in eine andere Straße abgebogen ist und das ersehnte Ziel immer noch nicht erblicken konnte, sieht man die Ziellinie. Was für ein Gefühl. Glückshormone schießen in die Blutbahnen und man ist den Tränen nahe. Jubelnd unter dem Beifall der vielen Zuschauer, wird die Ziellinie überschritten.

Nach 42,195 km ist man Finisher. Mit einer Medaille geschmückt ist man auf einmal der glücklichste Mensch auf der Welt. Dank des wieder eingesetzten Prozess des Vergessens sind die Qualen des Marathon schon wieder in weite Ferne gerückt. Ist es doch nicht der letzte Marathon, wie ich es unterwegs mehrmals geschworen habe ?

Vor dem Verpflegungs-Zelt hat sich eine große Schlange gebildet. Obwohl es schon beim ganzen Marathon nicht einmal was zu essen gab, verzichten wir und verlassen den Start/Ziel Bereich. In der St. Stephens Green Street treffen wir auf die anderen glücklichen Finisher Christiane und Sabine.

Bei dem starken Wind wollen wir jetzt so schnell wie möglich mit dem Bus zu unserem Quartier. Durch die Straßensperrungen in der Innenstadt werden unsere Geduld und Kräfte jedoch nochmals stark auf die Probe gestellt. Nach fast zwei Stunden bibbern, gelingt es uns endlich ein Taxi anzuhalten was uns zur wohlverdienten Dusche fährt. Nachdem wir bei Marion und Winfried gegessen haben können wir im Pub mit ausreichend Guiness unsere Depots auffüllen und den Iren, die uns alle auf unser Finish-T-Shirt ansprechen, von unseren Heldentaten berichten.

Am nächsten Tag besichtigen wir, erstaunlicherweise frei von Muskelkater, die Innenstadt. Abends geht es dann in Orkangeschwindigkeit  zurück nach Deutschland. Obwohl die Landung in Hahn sehr  holprig ist, kommen wir gegen Mitternacht Gesund und mit dem Erlebnis einer tollen Marathontour wieder zu Hause an. Ein großes Dankeschön unseren Gastgebern Marion und Winfried sowie den freundlichen Iren.

 Dublin Marathon Bericht von Edmund Salz als Pdf Datei zum runterladen